Die traditionelle Methode wie vor 3000 Jahren. Dieses Beispiel zeigt eine vollständige Linie. Zur besseren Verständlichkeit sind die Zahlen fest gewählt: Nach drei Durchgängen bleiben 24 Stengel übrig. Daraus entsteht eine 6 = altes Yin.
Bei jeder Linie werden die Schafgarbenstengel dreimal nach demselben Verfahren geteilt und gezählt. Nach dem dritten Durchgang bleibt immer eine durch vier teilbare Anzahl von Stengeln übrig. Diese Zahl wird durch vier geteilt. Das Ergebnis ist der Linienwert des I Ging.
| 24 Stengel | 24 ÷ 4 = 6 | Altes Yin (bewegte Yin-Linie) |
| 28 Stengel | 28 ÷ 4 = 7 | Junges Yang |
| 32 Stengel | 32 ÷ 4 = 8 | Junges Yin |
| 36 Stengel | 36 ÷ 4 = 9 | Altes Yang (bewegte Yang-Linie) |
Die Werte 6, 7, 8 und 9 sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil der traditionellen Schafgarbenmethode. Sie wurden nicht frei gewählt, sondern ergeben sich aus dem klassischen Rechenverfahren des I Ging.
Eine 7 und eine 8 bleiben unverändert. Sie bilden die ruhenden Linien des ersten Hexagramms.
Eine 6 oder 9 gilt als bewegte Linie. Sie beschreibt eine Entwicklung oder Veränderung innerhalb der Situation. Deshalb werden zusätzlich die Texte dieser Linien gelesen.
Nach der Deutung wandeln sich die bewegten Linien:
Durch diese Wandlung entsteht ein zweites Hexagramm. Es zeigt nicht die Gegenwart, sondern die Richtung, in die sich die Situation wahrscheinlich entwickelt. Deshalb werden bei einer vollständigen I-Ging-Deutung immer drei Ebenen betrachtet: das Ausgangshexagramm, die Texte der bewegten Linien und das daraus entstehende Folgehexagramm.
24 → 6 → ━ ━ → bewegt → ━━━━━
28 → 7 → ━━━━━
32 → 8 → ━ ━
36 → 9 → ━━━━━ → bewegt → ━ ━
Neben der Schafgarbenmethode gibt es eine einfachere und schnellere Methode: die Ziehung mit drei Münzen. Sie ist nicht so aufwendig wie die traditionelle Schafgarbenmethode, wird aber sehr häufig verwendet und lässt sich leicht zu Hause ausprobieren.
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Du benötigst drei gleiche Münzen (eine 2 Cent Münze ist ideal). Lege vorher fest, welche Seite Yang und welche Seite Yin bedeutet. Bei der "2 Cent Münze" bedeutet Zahl = 2 und Kopf = 3.
Wirf nun alle drei Münzen gleichzeitig. Addiere die Werte der drei Münzen. Daraus entsteht eine Linie des Hexagramms.
| 2 + 2 + 2 | = 6 | Altes Yin – bewegte Yin-Linie |
| 2 + 2 + 3 | = 7 | Junges Yang |
| 2 + 3 + 3 | = 8 | Junges Yin |
| 3 + 3 + 3 | = 9 | Altes Yang – bewegte Yang-Linie |
Auch bei der Münzmethode wird das Hexagramm von unten nach oben aufgebaut. Der erste Münzwurf ergibt die unterste Linie. Danach folgen die zweite, dritte, vierte, fünfte und sechste Linie.
Nach sechs Würfen ist das erste Hexagramm vollständig. Wenn dabei eine 6 oder 9 erscheint, handelt es sich um eine bewegte Linie. Diese Linie wird zusätzlich gedeutet und wandelt sich anschließend.
So entsteht, genau wie bei der Schafgarbenmethode, ein zweites Hexagramm: das Folgehexagramm. Es zeigt, in welche Richtung sich die Situation entwickeln kann.
Die Münzmethode ist schneller und einfacher. Die Schafgarbenmethode ist dagegen ruhiger, feierlicher und traditioneller. Außerdem entstehen die Linien bei beiden Methoden mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten. Deshalb fühlen sich die Ergebnisse manchmal etwas anders an.
Für eine schnelle Befragung ist die Münzmethode sehr praktisch. Wer sich mehr Zeit nehmen und die alte chinesische Tradition bewusster erleben möchte, greift zur Schafgarbenmethode.
china-esoterik.de (Richard Schley)